Deutschlands Trumpf ist die Industrie? Lasst mich mit einer Allegorie antworten – Repost vom 15.08.2012

(Letztens (also 2012(!), Anmerkung rs) stolperte ich über diesen doch sehr positiven Artikel im Handelsblatt: Deutschlands Trumpf ist die Industrie, dem ein wenig kritische Distanz zu fehlen scheint. Ich möchte ihn nicht infragestellen, wie könnte ich? Nur (m)eine Perspektive hinzufügen:)

Der Gärtner, der sich um den Garten Deutschland kümmert, hat für sich, auf Basis seines Wissens und seiner Bildung, seiner Erfahrung und Intuition, seiner Prädisposition und seines ästhetischen Blickes entschieden, was Unkraut ist und was nicht. Dazu muss er niemanden konsultieren.

Der Gärtner entscheidet, dass alle großen Bäume geschützt werden müssen, da sie groß sind. Und Schatten spenden. Wem auch immer.

Er entscheidet, dass alle mittelgrossen Bäume und Sträucher anscheinend nicht nur stärker als die kleinen Pflanzen sind, und eine Chance verdient haben, große Bäume zu werden, sondern dass das auch Gottes Werk sein muss. Also Gesetz. Schlimmer noch: Naturgesetz. Vielleicht sogar Intelligent Design.

EinfaltistdieneueVielfaltEr entscheidet, weiterhin auf Basis seines Wissens und seiner Bildung, seiner Erfahrung und Intuition, seiner Prädisposition und seines ästhetischen Blickes, dass kleine und kleinste Pflänzlein keinen Beitrag leisten, das Bild stören, gar den erfolgreichen Bäumen und Sträuchern das Wasser des Lebens nehmen, und daher rechtzeitig vernichtet werden müssen.

Er entscheidet, dass wir uns auf die Größten und Stärksten konzentrieren müssen, denn auch er kann kein englisch und versteht Darwin immer noch falsch. Unterstellt immer noch das Überleben ‘of the fittest’ statt ‘of the most fitting’. Falls er Darwin überhaupt neben seinem eigenen Gott duldet.

Er entscheidet, dass wir nicht Vielfalt in der Blüte brauchen, sondern Disziplin, Akkuratesse und Ordnung. Das Herausragende wird also einen Kopf kürzer gemacht – idealerweise sehr früh, bzw. indem man es beizeiten in der Baumschule beugt.

Er entscheidet, das Auge sei durch viele Farben beunruhigt und abgelenkt. Er entscheidet sich für die ihm gefälligste: schwarz. Sie strahlt eine gewisse Ruhe, Eleganz, ätherische Schönheit aus. Nicht dieses profane Bunt der Narren.
(Er hadert mit sich, noch keine Lösung gefunden zu haben, das Grün aus seinem Garten herauszuschneiden – was mag Gott sich dabei gedacht haben!?)

Der Gärtner entscheidet, eine Anleitung für kommende Generationen zu schreiben, den Garten Deutschland in seinem Sinne zu erhalten.

Er legt fest, dass Erfolg an Größe zu messen ist. Dass Größe und Erfolg im Grunde eins sind.
Dass Größe gefördert werden und Priorität sein muss, dass dem alles unterzuordnen ist.
Dass Vielfalt die Komplexität der Pflege erhöht, das Auge anstrengt, kontraproduktiv ist.
Dass alles Kleine, alles Junge, alles Andere als Unkraut zu betrachten, mit der Wurzel auszureissen ist.

Er legt fest, dass Fortpflanzung durch Inzucht die einzige sinnvolle Veredlung des Erbgutes ist. Warum auch sollte er dies Tieren, minderen Lebewesen neben Pflanzen und Menschen, überlassen – zumal er sich vor ihren Sticheleien schon als Kind fürchtete.
Nur durch Inzucht können die wertvollen Gene der Großen weitergegeben werden.

Der Gärtner entscheidet, dass dies die einzig gültige Lehre, heute und in Zukunft ist. Denn der Erfolg gibt ihm recht.

Soweit das Auge reicht nur große, starke Bäume. Wundervoll gerade Wege, die zu ihnen führen. Nichts und niemand kann ihnen gefährlich werden. Allein stehen sie auf weiter Flur und repräsentieren die Weitsicht und Weisheit des Gärtners. Preisen sein Werk. Sind die einzigen, die es in seinem Garten zu etwas gebracht haben. Zurecht hat er nur auf sie gesetzt.

Seine Bäume werden ewig leben. Beschützt, genährt, vervollkommnet von ihm, dem Gärtner, bis zur Perfektion. Genährt an seinem Busen. Koste es, was es wolle. Und sei es sein Leben. Dann hatte es wenigstens einen Sinn.

Sein Werk ist vollbracht, nun kann er zufrieden sich auf den Weg zu seinem Gotte machen.”

In diesem Sinne!
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