Die Dieselland AG: Menschliches Versagen von Wirtschaft, Aktionären, Politik

Nun echauffieren sich all die Äffchen-Trios plötzlich (hier und hier im Handelsblatt). Zuvor wollten sie nichts gesehen und gehört haben, vor allem nichts sagen, gar beitragen.
Nun, da es Jahr(zehnt)e zu spät ist, kommen sie aus ihren Löchern. Was für ein eindrucksvoll trauriges Bild des Menschlichen Versagens von Wirtschaft, Aktionären und Politik auf ganzer Linie.

Ich darf kurz aus meinem Post Dieselfahrverbot? Hahaha! 7 gute Gründe, warum ich nicht daran glaube zitieren: “Seit wann hätten Bund, Land, Städte und Autoindustrie handeln können? Erst seit gestern? Nein, seit 13(!) Jahren! Die Süddeutsche bereits 2014: “Das Neckartor in Stuttgart-Ost belegt seit 2005 bei den bundesweiten Feinstaubmessungen den ersten Platz, zuletzt im April diesen Jahres. Im vergangenen Jahr wurde der zulässige Grenzwert von 50 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft 82-mal überschritten”.

Wer 13 Jahre damit durchkommt, muss sich jetzt wohl keine Sorgen mehr machen, oder? Besser ist es seit 2014 natürlich auch nicht geworden. Der Spiegel Anfang 2017 über 2016: “Am Neckartor in Stuttgart lag die Stickoxid-Belastung bei durchschnittlich 82 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft – und damit mehr als doppelt so hoch wie der Grenzwert von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter. Auch Stationen in München, Reutlingen, Kiel, Köln und Hamburg überschritten den Grenzwert bei Weitem”.”

Wo waren der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) und sein Präsident Hans Peter Wollseifer, die sich heute echauffieren, die letzten 13 Jahre? Wo ihr Kampf für saubere Luft, Autos, Städte?

Wo waren die Industrie- und Handelskammer (IHK) Rhein-Neckar und ihr Präsident Manfred Schnabel, die sich heute echauffieren, die letzten 13 Jahre? Wo ihr Kampf für saubere Luft, Autos, Städte?

Wo waren der Deutsche Speditions- und Logistikverband (DSLV) und ihr Hauptgeschäftsführer Frank Huster, die sich heute echauffieren, die letzten 13 Jahre? Wo ihr Kampf für saubere Luft, Autos, Städte?

FDP-Chef Lindner bezeichnet das Urteil als „Schlag gegen Freiheit und Eigentum, weil wir uns zu Gefangenen menschengemachter Grenzwerte machen“. Wenn es nach Christian Lindner ginge, wären wir in letzter Konsequenz längst alle ausgestorben, denn dann gäbe es nirgendwo Grenzwerte, die Wirtschaft könnte uns nach Gutdünken vergiften und verpesten.

Wo waren der BDI und sein Hauptgeschäftsführer Joachim Lang, die sich heute echauffieren, die letzten 13 Jahre? Wo ihr Kampf für saubere Luft, Autos, Städte?

Wo waren der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV)  und ihr Präsident Jürgen Fenske, die sich heute echauffieren, die letzten 13 Jahre? Wo ihr Kampf für saubere Luft, Autos, Städte?

Wo waren der Handelsverband Deutschland und sein Präsident Josef Sanktjohanser, die sich heute echauffieren, die letzten 13 Jahre? Wo ihr Kampf für saubere Luft, Autos, Städte?

Wo waren Bitkom, Maschinenbau-Verband VDMA, Mittelstandsverband BVMW, die sich heute alle echauffieren, die letzten 13 Jahre? Wo ihr Kampf für saubere Luft, Autos, Städte?

Höre ich unseren lieben Oberbürgermeister Thomas Geisel zum Thema, wünsche ich mir im Nachhinein die stellvertretende FDP-Bundesvorsitzende Marie-Agnes Strack-Zimmermann als unsere Oberbürgermeisterin, die da einzig vernünftig reagiert: ‘ … Urteil des Bundesverwaltungsgerichts als angemessen an. Mit der Ablehnung einer bundeseinheitlichen Regelung für Diesel-Fahrverbote sei die kommunale Selbstverwaltung gestärkt worden. Allerdings könnten Diesel-Fahrverbote generell keine Lösung darstellen. Die Autoindustrie sei in der Pflicht, die Dieselfahrzeuge vollständig auf eigene Kosten nachzurüsten’. Frauen halt. 🙂

Ich mag mich gar nicht zitieren, aber: “Als ob das alles noch nicht ausreicht, unsere aktuellen Grenzwerte sind sowieso doppelt(!) so hoch wie die von der WHO empfohlenen, siehe hier in der ZEIT vom April 2017: “In Deutschland werden die Grenzwerte für Feinstaub fast überall eingehalten. Trotzdem kommen Mediziner zu dem Ergebnis, dass die winzigen Partikel in der Luft jedes Jahr Zehntausende Menschen töten. Wie kann das sein?”.

Ganz einfach: “Auf der zweiten Folie gilt der Grenzwert, den die WHO empfiehlt. Er beträgt weniger als die Hälfte des EU-Werts. Die WHO geht davon aus, dass bei höheren Feinstaubkonzentrationen die Gesundheit des Menschen beeinträchtigt wird.””

Am peinlichsten ist dieses Debakel für die Vorstandsmillionäre unserer Autoindustrie, denen alles egal scheint, gar die Leben der Menschen, selbst vor der eigenen Haustüre Stuttgart. Unfassbar.

Nicht minder peinlich ist dieses Debakel für die Quandt/Klattens und Porsche/Pi€chs dieser automobilen Welt, denen ihre Dividenden um ein Vielfaches wichtiger sind als all die Existenzen und Menschenleben, die sie mittelbar auf dem Gewissen haben. Aus dieser Verantwortung kann sich niemand herausstehlen. Niemand von ihnen kann sich aus dieser pervers perfektionierten Dieselland AG herausstehlen.

Zeit, liebe Autos und Autovorstände, sich gänzlich neu zu erfinden: #smartcars
Zeit, liebe Städte und Kommunen, soziale Orte der Bewegung & Begegnung zu werden: #smartcities

Zeit für jede/n von uns, ‘Driver’ zu werden.
(The Driver: Fahrer, Lenker. Einflussfaktor!
To drive: Fahren, führen, lenken. Vorantreiben!
The Drive: Fahrt. Antrieb, Dynamik, Tatkraft!)

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