Tag 02: Fragt Euch doch alle! Sorry, veritabler Rundumschlag – Repost zum 5-Jährigen

Als sie wach wurde, war Irene immer noch der gleiche Mensch, weder Mann noch Frau, schwarz noch weiß, groß noch klein. Weder un-, noch gläubig.

Sie legte ihre Dreifaltigkeit ab und verzichtete von nun an auf ihre Namen. Irene, Autor, ich.

Sie legte ihre Weiblichkeit ab, damit ihr mehr Männer zuhörten, und ihre Männlichkeit, damit ihr mehr Frauen Gehör schenkten.

In ihr wuchsen die zarten Bande eines neuen Lebens. Die Welt drehte sich schneller unter seinen Füßen. Alle stolperten weiter über ihre eigenen, statt den Kopf zu heben, die Augen zu öffnen, zu sehen, dass es einfach nur immer schneller dem Abgrund entgegen ging.

In ihm war weitaus mehr Tod als Leben. Ein Grund, die ersten Joy Division Platten zu hören. Kein Grund, das Denken zu ändern, oder gar einzustellen. Der Tod war der einzige Grund, innezuhalten. Das Sterben nicht.

Vor allem nicht dieses langsame Sterben, bei dem wir alle zuschauten, in Neuland, Altland, Tagesschau, vor dem Altar der Dummheit … uns selbst … immer wieder … uns labten, dass es den anderen noch schlechter ging. Uns lustig machen über die Hilflosen, über die sich echauffierenden, lustig über die, die etwas tun, und über die, die nichts tun. Über jeden.

“Die Dummen lachen”, sagte mein Vater dann immer.

Frag den Papst in Rom. Setz ihn in einen Dom auf die Grenze zwischen Israel und Palästina.

Frag die Koalition der Ahnungslosen allüberall. Gib ihnen Rückgrat, Kompetenz, Zivilcourage. Fang in Deutschland an. Frag die Medien, die Rezipienten, die lethargischen Totengräber der Demokratie.

Frag die Dummen. Gib ihnen Bildung. Frag ARD/ZDF/GEZ. Lass uns die 7.500 Millionen Euro jährlich in Bildung stecken. Frag die Journalisten, die denen in den Arsch kriechen. Frag die Leser, die diesen Müll konsumieren.

Frag die Drohnenproduzenten und ihre nützlichen, politischen Idioten. Frag alle Waffen, alle Despoten, die anderen Despoten diese Waffen verkaufen. Frag War!

Frag alle Pfaffen, die diese Waffen segnen, um ihre Opfer ihrem Gott schneller näher zu bringen.

Frag alle Götter, die nicht miteinander reden und diesem Jammertal mit einem Gedankenstrich den Garaus machen.

Frag alle, die tatenlos zusehen. Frag alle, die nicht schreiben, reden, schreien – sondern Chips fressen, Cola saufen, T-Shirts für 1 Euro kaufen.

Frag alle, die dieses Elend erst möglich machen. Diese individuelle Barbarei unter dem Deckmantel effizienter Vernunft, Zahlenschacherei, statt Menschwerdung. Frag alle, die Gesetze erlassen, die Armen zu knechten, statt sie zu ermächtigen.

Frag alle, die die Armen, Dummen, Behinderten, Autisten, zu Schnellen, zu Langsamen, die Dementen, die Renitenten in Schach halten, zu Abseits der Norm erklären, verstecken, wegsperren, statt ihnen Individualität, Weisheit, Weitsicht, größere Gesichtskreise zuzusprechen, sie zu ehren, zu fördern, sie zu unseren Anführern zu machen.

Frag die, die meinen, die Normalsten, Durchschnittlichsten, Langweiligsten, Schissigsten, der Mann von der Strasse müsse unser Anführer sein. Genau der nicht. Den haben wir jetzt. Den Duckmäuser. Die Stasi-domestizierte Ausgeburt eines Überwachungsstaates, die sich immer noch nicht unwohl fühlt.

Frag die, die meinen, wir brauchen keine Visionen. Keine Werte, keine Ungeschriebenen Gesetze.

Frag die, die denken, die Wirtschaft brauche keine herausfordernden Ziele, nur monopol(quadrupol)-erhaltende Gesetze, Profite und Boni.

Frag den Kampagnenfeminismus, der sich über Anzeigen in der Tagespresse aufregt, und fehlbesetzte Podien, aber nicht in der Lage ist, den Frauen intakte Unterhosen, Körperpflege, Benehmen, Auftreten in der Fußgängerzone zu geben.

Frag die Kirche, die immer noch sich selbst im Mittelpunkt der Welt sieht, statt Menschen, Krankenhäuser, Essen, Wasser, mentale und materielle Unversehrtheit für alle.

Frag die, die immer noch nicht verstehen, dass bestimmte Institutionen bestimmte Menschen anziehen, Bundeswehr, BND, MAD, etc. Versteht endlich, dass wir gute Institutionen schaffen müssen, damit die Menschen gut bleiben. Menschen müssen im Vorhinein in der Lage der Freiheit belassen, im Zweifel wieder in die Freiheit entlassen, nicht aber im Nachhinein kontrolliert werden.

Frag die, die immer noch meinen, die Menschen wären böse – und nicht die Zustände, die wir schaffen. Wir sind der Krebs, die Geflügelfarm, der Terror selbst.

Bekämpft den Terror, sobald so viele durch ihn sterben, wie durch die Gier der Banken, die Kurzsichtigkeit der Politik, den Straßenverkehr, die jährliche Grippe, den freikommenden Mörder, den kunstfehlernden Arzt, die fehlgeleitete Ernährungs-, Chemie-, Pharma-Industrie. Entwicklungshilfe, und all die anderen Euphemismen, die Ihr geschaffen habt, um die Toten vor uns zu verstecken.

Frag die, die meinen, es gäbe Menschen unterschiedlichen Wertes. Und je mehr wir – heimlich und feige – von den anderen töten, desto besser ginge es uns. Es geht uns einfach allen schlechter. Immer schlechter. Schlechter.


[Repost vom 15. Juli 2013.]
[Ihr glaubt nicht wirklich, dass im Original überall ‘Frag’ steht, oder? ;)]