Rumkrebsen: Ein Jahr – Zum 5-Jährigen

(Vor 5 Jahren wurde ich wegen guter Führung eine Woche früher aus der Quarantäne entlassen. Vor 4 Jahren schrieb ich diesen Post. Daher “Ein Jahr”.)

Ein Jahr. Das ist eine so unendlich lange Zeit, dass es eine Schande ist, wie wenig wir in einem Jahr schaffen. Wie wenig wir (uns) bewegen. Wie wenig wir uns weiterentwickeln. Wie wenig wir wachsen. Qualitativ. Über uns hinaus. Unabhängiger, brillanter, relevanter werden. Als Individuum, als Wirtschaft, als Kultur, als Gesellschaft. Das Gestern hinter uns lassend. Eine wirkliche Schande.

Unsere Konsequenz daraus? Wir denken noch mehr an uns. Wir arbeiten noch mehr, noch schneller. Wollen dafür noch mehr Geld, Konsum, Unnützes um uns scharen. Wollen noch mehr HABEN. Willigen ein, dafür noch weniger zu SEIN. Wollen alles und verzichten auf nichts. Wissen gar nicht mehr, was wir noch wollen. Hauptsache, mehr als alle anderen. Gleichgültig der Welt, den Menschen, uns selbst gegenüber. Dahinvegetierend, dahinkonsumierend, dahinsiechend, pyrrhus-siegend.

Immer mehr vom immer gleichen macht uns immer seltener und immer weniger froh. Wir haben immer weniger Spaß an all dem Materiellen. Verfluchen heimlich und leise dieses Hamsterrad, das Kettenkarussel. Sehnen uns nach Abwechslung, Vielfalt, Sinn. Sehnen uns nach Berührung, Haut, einem Hauchen. Sehnen uns nach einem Menschen. Nach nur einem einzigen Menschen. Mit ihm oder ihr die Leere zu teilen, die wir inzwischen Leben nennen. Zu erkennen die Leere. Zu fühlen die Leere. Zu füllen die Leere. Den Kopf zu heben. Die Augen zu öffnen. Endlich zu erwachen. Aus dieser Leere, diesem Schlaf, diesem Tod, den wir Leben nennen.