Meine @Wiwo-Kolumne ‘Berühmte letzte Worte’: Vergessen ist so wichtig wie Lernen! – 13. Okt 2014

Als hätte ich diese ‘Berühmten letzten Worte’ erst gestern für RWE, SPD, FDP, VW/AUDI/DAIMLER/BMW geschrieben:

“Die verzweifelten Versuche von beispielsweise Energie-, Öl- und Auto-Industrie, die Zeit zurückzudrehen, scheitern ebenso wie die durchschaubaren Versuche der Großverlags- und Telekommunikations-Industrie, die Welt anzuhalten. Diese etablierten Unternehmensköpfe und -kulturen müssen über sich hinauswachsen. Müssen wieder mutig unternehmerische Unabhängigkeit, Brillanz und Relevanz leben. …

Flapsig könnte man die zentrale Aufgabe von Unternehmen, Organisation und Führung mit “Vergiß es!” zusammenfassen. Man kann behaupten, die wichtigste Kompetenz einer Lernenden Organisation ist das Vergessen. Das Löschen der alten Lektionen – idealerweise durch das Überschreiben mit neuen. …

Vergessen ist so wichtig wie Lernen. Vergessen ist eine Kunst für sich – die vor allem sieben Regeln beinhaltet:

1. Entscheidet, was Ihr vergessen müsst! Nämlich alles, was Euch nicht hilft, einen Unterschied zu gestern oder zum Wettbewerb zu machen. Alles, was Euch nicht hilft, Wert zu kreieren. Alles, was Euch nicht hilft, dafür zu sorgen, dass man Euch wahrhaft vermisst.

2. Geht an einen Ort, an dem Talent, Technologie und Toleranz im Überfluss vorhanden sind.

3. Vergesst Eure Büromöbel, Eure Schreibtische, Teppiche, Firmenwagen und tollen Felgen. Vergesst Eure veralteten Ziel- und Bonussysteme, Strukturen, Silos und Prozesse.

4. Erinnert Euch an die Gründer Eures Unternehmens: wie sie einst begannen – bevor sie zufrieden wurden, gemütlich und nachlässig. Ehe sie ein Management beriefen, dass die Durchschnittlichkeit einläutete, allein weil es wie ein Management und nicht mehr wie ein Gründer dachte. Inhaliert die Philosophie der Gründer.

5. Erinnert Euch an Albert Einstein, der überzeugt war, dass man die bestehenden Probleme nicht mit dem Denken lösen könne, dass diese Probleme erst verursacht hat. Sucht Euch also neue, nicht betriebsblinde, talentierte Denker. Seid es idealerweise selbst, aber überschätzt Euch nicht, das wäre fatal.

6. Nehmt Euch ein weißes Blatt Papier und richtet Euch am denkbar relevantesten Nutzen aus. Am Kunden, am besten Service, am größten Spaß, an den herausforderndsten Aufgaben.

7. Welche Kompetenzen würden in Eurem ersten Raum gebündelt sein? Hier trennt sich die Spreu vom Weizen. Hier entsteht die Blaupause Eurer neuen Brillanz und Relevanz.

…” – tatsächlich war es im Oktober 2014 @WirtschaftsWoche


[Repost vom 13. Okt 2014.]