Einkaufs-SUVdiotie* im weihnachtlichen Supermarkt

Vom regelwidrig beparkten Behinderten- oder Frauenparkplatz stürzen wir uns auf die letzten Einkaufswagen. Sollen die andern doch 1. gucken, wo sie parken, 2. die Einkaufskörbe nehmen.

Im größten Einkaufs-SUV fühlen wir uns sicher – falls wir ihn nicht unsere Frauen schieben lassen, um stattdessen an Wein- oder Käseverkostung teilzunehmen. Den Kinderwagen schieben sie doch auch. Arbeitsteilung halt. Passt schon. Jäger und Sammler.

NeandertalerInnen im Supermarkt. Sie wählen den ‘Bring-die-Kinder-pünktlich-zur-Schule’-Modus in diesem Tempomaten, den sie Hirn nennen. Fahren auf, nötigen, schneiden alles, was nicht schnell genug auf dem Weihnachtsbaum ist, kennen auch hier kein Rechts-vor-Links, keine Gnade, bremsen nicht für rollende Tomaten, spielende Kinder, stolpernde SeniorInnen, kleine, süße, quietschende Hundimautzis.

Wir rufen mit der Rechten Mutti an, weil wir das dritte Dings, das wir kaufen sollen, nicht mehr erinnern. Parken mit der Linken, sonst allein zum Rauchen, Haare richten, Popeln eingesetzt, in der zweiten Einkaufs-SUV-Reihe – it’s a feature in der Oberklasse, not a bug -, um “nur ganz kurz” den kurvenreichen Weg durch den Markt zurückzulaufen, Muttis drittes Dings zu holen.

Erzeugen diesen Stau, den man nur zu verhindern in der Lage ist, beherrscht man dies unhändelbare, unglücklich übergroße Gefährt auch ohne Rückfahrkamera, Wende- und Geradeausfahr-Assistenten oder Fahrer.Erzeugen dieses Chaos – immer dann entstehend, sobald sich keiner an die Regeln hält -, weil es alle besser wissen, jeder der Erste und am Ende es wieder keiner gewesen sein will.

Machen nichteinmal die Rettungsgasse frei, Feuerwehr, THW, KassiererIn zum Nachwiegen, und Putzkolonne durchzulassen, die Opfer des Zusammenpralls an der Bio-Eier-Theke zu Omelett zu verarbeiten – serviert schon morgen im Drive-In-and-Find-out-Getränkemarkt und -Restaurant nebenan.

Die Schlange an der Kasse mäandert inzwischen dreimal um das Gebäude, eindrucksvoll bestätigend, dass wir ‘den Reißverschluss’ noch immer nicht beherrschen. Können wir doch nicht ein einziges Mal nur ein wenig verlieren, damit alle viel gewinnen. Nein, selbst Weihnachten nicht. Aus Prinzip. Aus Arroganz, Ignoranz und Intoleranz. NeandertalerInnen halt.

Unsere Einkaufswagen rollen wir durch unsere sich automatisch öffnende Heckklappe direkt in den an die Fahrerkabine unseres SUVlinien-förmigen Lastkraftwagens geschweißten Hangar. Wo schon die zwei Fahrräder, die Kinder, der Weihnachtsbaum, die Hochzeitsgesellschaft, das Kajak, unsere Paragliding-Ausrüstung und unser ökologisches, altruistisches, moralisches Gewissen verrotten.

HAPPY X8ness und Q7en Rutsch!

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* Background: “Der finale Guide zur SUVdiotie oder: The Walking Dead in Their Self-Driving Cars – #greatdrive” und “5 Missverständnisse, die Euch zeigen, dass #SUVdiotie eine Religion voller Missverständnisse ist – #greatdrive”.